Dienstag, 29. Juni 2010

Andenkondore

Andenkondore heißen mit wissenschaftlichem Name Vultur gryphus, wobei das Wort gryphus „Hakennase“ bedeutet und eine Anspielung auf den kräftigen, stark gebogenen Schnabel ist, mit dem die Andenkondore zähe Kadaverhaut aufreißen können [1]. Oberhalb des Schnabels besitzen die Männchen einen etwa 4,5 cm hohen und 10 cm langen Kamm, der bereits am 7. Lebenstag des Andenkondor-Kükens als kleiner knorpeliger Wulst sichtbar wird [2].

Weibchen besitzen diesen Kamm nicht und haben einen nackten Kopf.

Ein weiterer Unterschied ist die Größe: Andenkondore erreichen ausgewachsen ein Gewicht von etwa 11 kg, wobei das Männchen größer und kräftiger ist als das Weibchen.
Mit gut 3,5 m Flügelspannweite sind Andenkondore die größten Greifvögel der Welt und werden nur vom Albatross übertroffen (Flügelspannweite ca. 3,7 m). Zu den Neuweltgeiern gehörend leben Andenkondore in den Bergen – überwiegend in einer Höhe zwischen 3000 und 5000 m – und Küstenregionen Südamerikas, von Kolumbien bis nach Feuerland [2].
In den Küstenregionen bevorzugen sie die Kadaver gestrandeter Wale. Oder sie „überfallen“ große Seevogel-Kolonien und rauben Eier sowie tote Altvögel. Im Körper eines einzigen Kondors wurden sogar zwölf Guanokormoran-Eier gefunden, die zum Teil noch unversehrt waren [1]. Im Hochland ernähren sich Andenkondore hauptsächlich vom Aas großer Säugetiere wie Lamas, Hirsche, Rinder und Schafe. Beim Aas hack versuchen die Kondore zumeist durch den After der toten Tiere zur Bauchhöhle zu gelangen oder lange Darmenden „ins Freie“ zu ziehen [2].
Andenkondore legen 1 bis 2 Eier, die kurz vor dem Schlüpfen der Küken etwa 200 g wiegen. Die durchschnittliche Brutdauer beträgt 56 Tage, wobei das Weibchen die meiste Zeit der Bebrütung übernimmt, während das Männchen das Gelege verteidigt.


Nach dem Schlüpfen wird das Andenkondor-Küken etwa 6 Monate lang von seinen Eltern versorgt, bis es den Segelflug richtig beherrscht und sich allein ernähren kann. Aufgrund dieser langen Versorgungszeit brüten Andenkondore in freie Wildbahn nur alle zwei Jahre. In Zoos hingegen werden die Küken meistens von ihren Eltern getrennt, wodurch die „Lehrzeit“ abgekürzt und somit jährliches Brüten ermöglicht wird [2].
Durch die geringe Nachwuchsrate in freier Natur ist der Bestand der Andenkondore nicht gesichert. Stand 2000 leben zwar noch einige tausend Andenkondore in der Wildnis, jedoch geht ihre Zahl zurück. Schuld daran ist neben den missglückten Geburten in erster Linie der Mensch, der noch immer in einigen Teilen Südamerikas vergiftete Köder auslegt, um Knochen und Organe zu medizinischen Zwecken und Federn als Schmuck zu verwenden. Oder sie werden beim Angriff auf Seevogel-Kolonien erschossen, weil sie den Abbau bzw. die „Produktion“ des als Düngemittel genutzten Guanos (Seevogel-Kot) behindern [1].
Zum Glück werden die Andenkondore aber mittlerweile in vielen Ländern geschützt und verehrt und gelten in Peru sogar als Nationalsymbol.





---------
[1] Penny Olsen: Adler und Geier – Großtiere dieser Welt; Jahr-Verlag GmbH & Co.; Hamburg; 1991
[2] Wolfgang Fischer: Die Geier; Berliner Tierpark-Buch Nr. 6; A. Ziemsen Verlag; Wittenberg Lutherstadt; 1974

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen