Freitag, 28. April 2017

Nachwuchs oder unbefruchtet?

Vor 54 Tagen wurde das Gänsegeier-Ei im Zoo Duisburg vom erfolgreichen Brutpaar Papageier und seiner Dame gelegt. Das bedeutet: Wenn das Ei befruchtet ist, dann müsste das Geierküken jetzt jeden Moment schlüpfen. Da ich jedoch morgen in Urlaub fahre, kann ich leider nicht selber nachsehen, ob schon ein winziges Flauschknäuel im Nest liegt. Ich würde den beiden Geiereltern nach dem Vogelgrippestress und der kräftezehrenden Brutzeit sehr wünschen! Falls also irgendwer von euch in den nächsten Tagen im Duisburger Zoo vorbeischaut, ich würde mich über Infos und Fotos sehr freuen. Zwar werde ich keinen Laptop mit in den Urlaub nehmen und die Blogartikel erst nach der Reise nachreichen, aber vielleicht habe ich ja dennoch hin und wieder Internetzugang.
Die nächsten zwei Wochen verbringe ich zwar nicht in einem Geierprojekt, aber ich werde meine liebe Geierfreundin Maggie in den USA treffen. Wir hatten uns bei VulPro in Südafrika kennengelernt und waren zweimal zeitgleich dort. Umso schöner, dass wir uns nun in ihrer Heimat treffen und gemeinsam ab Las Vegas auf den Spuren des Kalifornischen Kondors reisen werden. Außerdem werden wir endlich den weltberühmten Andenkondor Andy N. Condor persönlich kennenlernen, der in Tracy Aviary in Salt Lake City lebt. Außerdem geht es an die Kalifornische Küste, wo sich ebenfalls einige Kalifornische Kondore rumtreiben sollten. Ich kann es kaum noch erwarten, bis das neue Geierabenteuer endlich startet!!!

Freitag, 14. April 2017

Platzwechsel bei der Ei-Pflege

Kurzer Besuch bei den Gänsegeiern im Zoo Duisburg.
Während Mama-Geier auf einem Baumstamm saß und das Treiben im Zoo beobachteten,...
...lag Papageier im praktisch nicht vorhandenen Nest und bebrütete das Ei.
Der Arme ist nur noch ein schwacher Haufen aus Federn und wirkt sehr kraftlos. Dennoch opfert er sich vollkommen für das Ei auf und möchte es unbedingt ausbrüten.
Mamageier auf der Rückkehr zum Nest.
Kurze Zeit später konnte ich einen Platzwechsel beobachten und dabei das große Geier-Ei sehen.
Für einen Moment lag es sogar unbewacht im Nest, bis Mamageier endlich näher kam.
Vorsichtig drehte sie mit dem Schnabel das Ei auf dem Boden hin und her. Diese Verhaltensweise muss selbstverständlich auch bei einer Brut im Inkubator erfolgen. Dort wird das Ei alle 8 Stunden um jeweils eine halbe Drehung bewegt; immer abwechselnd mit und gegen den Uhrzeigersinn.
Anschließend legte sie sich vorsichtig auf das Ei und brütete weiter.
Papageier schüttelte einige Minuten lang seine müden Flügel aus, bevor er sich ein paar Schnabelfüllungen vom Aas gönnte.
Nebenan bei den Ausquartierten war nichts los. Die beiden hatten es nach dem Vogelgrippe-Stress nicht geschafft noch ein weiteres Ei hinterher zu legen. Daher lagen beide nun im Gehege herum und bewegten sich kaum.
Eine Weile später konnte ich bei Papageier einen weiteren Platzwechsel beobachten. Papageier lag nun wieder auf dem Ei, aber seine Dame wollte ihm offenbar das Brüten nicht überlassen.
Immer wieder hackte sie nach Papageier, während dieser verängstigt schnatterte und fiepte. Komisch, was da wohl in die beiden gefahren ist!? So unharmonisch habe ich die beiden in den letzten Jahren nur selten gesehen.
Zum Glück kriegten sich die beiden bald wieder ein und bewunderten gemeinsam ihr kleines Wunder im Nest.
Letztendlich bekam Mamageier ihren Willen und durfte zurück ins Nest.
Bei den Schautafeln gab es übrigens eine Neuerung:
Eine kinderfreundliche Geier-Info wurde aufgehängt. Warum dieses Bild allerdings zwischen Perlhuhn und Marabu aufgehängt wurde statt neben das Geierschild, versteht vermutlich nur der verantwortliche Zoo-Mitarbeiter...
Bevor ich mich auf den Heimweg machte, wurde ich noch Zeuge, wie sich ein zerfleddertes Trampeltier den Rücken auf dem Boden schubberte. Sehr niedlich!

Samstag, 1. April 2017

Adlerwarte Berlebeck II

Nach meinem Geiervortrag für den NABU Oerlinghausen besuchte ich heute die Adlerwarte Berlebeck. Da es dort so viele Geierarten gibt, stelle ich die Geier in zwei Blogartikeln vor.
In einer größeren Voliere waren ein Weißrückengeier, zwei Sperbergeier und ein Mönchsgeier vereint. Der Weißrückengeier wurde hier auch als "Zwerggänsegeier" bezeichnet.
Ein hübsches Tiere. Würde sich in Südafrika bei VulPro sicherlich wohler fühlen.
Die Sperbergeier sahen fast so aus, als würden sie brüten. Einer lief in der Voliere herum, während der andere in einer dunklen Ecke lag und vielleicht brütete?
Außerdem gab es in der Voliere Mönchsgeier "Theo".
Wir konnten beobachten, wie sich eine Tierpflegerin liebevoll mit Theo unterhielt und sich nach seinem Wohlbefinden erkundete. Naja, immerhin scheinen die Tiere den Angestellten am Herzen zu liegen, auch wenn die Volieren alles andere als schön sind.
Theo ist wirklich ein besonders Hübscher!
Und sehr neugierig. Die meiste Zeit saß er vorne am Gitter und beobachtete die Besucher.
Nebenan gab es eine Voliere mit einem Andenkondor-Pärchen.
Während die elegante Dame auf der Sitzstange saß, überragte sie ihren liegenden Partner deutlich.
Die Andenkondor-Dame hat eine tolle, flauschige Halskrause, fast als hätte sie einen Pelzmantel mit Fellkragen an.
Auch Andenkondore können ihren Hals lang ausfahren. Er wirkt aber dezenter, weil er komplett befiedert ist.
Das Männchen schien seine Dame begatten zu wollen. Die Gute hielt ihn aber deutlich auf Flügelabstand und wich immer wieder vor ihm aus.
Als er zu aufdringlich wurde, nahm sie sogar Reißaus.
Der Andenkondor-Mann ist ebenfalls eine stattliche Erscheinung und ist durch seinen fleischigen Kamm auf dem Kopf leicht zu erkennen. Andenkondore sind die einzigen Geier, bei denen sich Männchen und Weibchen so leicht unterscheiden lassen.
Außerdem gab es noch einen Sekretär, der mit seinen kräftigen Beinen Schlangen tottrete kann.
Ein Pluspunkt für die Adlerwarte: Für sämtliche Info-Schilder wie "betreten verboten", "WC" oder die Speisekarte im Kiosk wurden Geier als Maskottchen genutzt.
In einem kleinen Ausstellungsraum gab es weitere Infos rund um Geier & Co...
...sowie ein Pärchen mit ausgestopftem Gänsegeier und Schneegeier.
Außerdem gab es ein Poster der "Rekorde aus dem Reich der Greifvögel", auf dem Geier natürlich gut vertreten waren:
  • Andenkondore haben eine Spannweite von 3,50 m und wiegen 15 kg. Damit sind sie die größten flugfähigen Vögel der Erde. Der Albatros hat zwar noch 20 cm längere Flügel, aber wiegt dafür deutlich weniger.
  • Gänsegeier haben von allen Greifvögeln die besten Augen und können aus 4000 m Höhe ein 30 cm kleines Aas erkennen.
  • Kalifornische Kondore sind die weltweit seltensten Greifvögel. Man geht von 40 Exemplaren aus. Ehrlich gesagt sind es derzeit ca. 400 Exemplare. Entweder fehlt hier eine "0" oder das Plakat ist schon sehr alt. 1987 gab es nämlich nur noch 27 Exemplare.
  • Sperbergeier können von allen Greifvögeln am höchsten fliegen und wurden bereits auf 11300 m Höhe gesichtet. Leider kollidierte der Pechvogel dort mit einem Flugzeug.
  • Truthahngeier haben von allen Greifvögeln das beste Riechorgan und riechen Aas auf 5000 m Entfernung.
Auch wenn die Adlerwarte Berlebeck sicherlich sehr gute Arbeit mit ihrer Auffangstation leistet und dabei schon vielen Vögeln erfolgreich das Leben retten konnte... die Volieren sind wirklich nicht schön und es bricht mir das Herz die Geier in dieser tristen, lieblosen Umgebung zu sehen. Auch 6,50 Euro Eintritt finde ich für die paar Vögel nicht gerechtfertigt.